Thementisch: Bedeutung der Einstreu für eine nachhaltige Nutztierhaltung

In der Nutztierhaltung erfüllt Einstreu unterschiedliche Funktionen: sie dient als trockener und/oder wärmender Untergrund, bindet flüssige Exkremente und wird als Beschäftigungsmaterial eingesetzt. Als Einstreumaterialien werden hauptsächlich Stroh und Sägespäne genutzt, es eignen sich aber auch alternative Materialien, wie Flachs- und Hanfschäben, Miscanthus, diverse Granulate und Pellets. Einstreu hat u.a. großen Einfluss auf die Tiergesundheit und das Tierwohl, Emissionen und das Stallklima. Nach dem Einsatz kann der Stallmist kompostiert werden, als Dünger ausgebracht oder in der Biogasanlage eingesetzt werden.

Bei unserem Thementisch am 10. Oktober 2019 auf Haus Düsse in Bad Sassendorf haben wir in diesem Themenkomplex mit Experten aus der Landwirtschaft die Frage behandelt, welche Bedeutung Einstreu für eine nachhaltige Nutztierhaltung hat.

Dazu hatten wir Vorträge von:

  • Dr. Marc Boelhauve (Fachhochschule Südwestfalen) über „Einflüsse der Einstreu auf die Tiergesundheit“
  • Bernhard Feller (Landwirtschaftskammer NRW) über „Beschäftigungsmaterial für tierwohloptimierte Schweinehaltung“
  • Dr. Wolfgang Büscher (Universität Bonn) über „Emissionen von Partikeln, klima- und umweltrelevanten Gasen“
  • Inga Tiemann (Universität Bonn) über „Der wissenschaftliche Weg zur neuen Einstreu – Einblick in das Projekt PutenStroh“
  • Richard Hölscher (Hölscher und Leuschner Agrartechnik) über „Flexible Systeme für Einstreu und Silagen“
  • Martin Schmid (Biopract ABT GmbH) über „Verwertung von Tiereinstreu (als Wirtschaftsdünger) in Biogasanlagen“

In der Milchviehhaltung kann Einstreu einen positiven Einfluss auf die Eutergesundheut haben. Allerdings muss immer darauf geachtet werden, dass die Laufwege sauber gehalten, die Schließzeit der Zitzen von 30 Minuten im Fressgitter nach dem Melken beachtet werden und kein verschmutztes Stroh zurückgeworfen wird. So kann der Keimeintrag auf Liegeboxen vermieden werden.

In der Schweinehaltung hat Einstreu einen unumstrittenen positiven Einfluss auf das Verhalten der Tiere. Organisches und verzehrbares Material ist zu bevorzugen. Als Nestbaumaterial ist Einstreu bei Sauen sinnvoll, damit sie ihre natürlichen Verhaltensweisen wie wühlen und erkunden ausüben können. Rauhfutter erhöht zudem den Sättigungsgrad. Stroheinstreu hat einen reduzierenden Einfluss auf den Status multiresistenter Keime (MRSA – Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). Das Einstreumanagement in der Schweinehaltung bringt jedoch auch einen höheren Arbeitsaufwand mit sich. Im Tiefstall stellt Stroh zum Aufsaugen von Fäkalien einen zusätzlichen Kostenfaktor dar.

In der Putenmast ist die Haltung ohne Einstreu grundsätzlich nicht möglich. Um einen signifikanten Unterschied in der Fußballgesundheit feststellen zu können, muss nach den Ergebnissen des Projektes „PutenStroh“ regemäßig nachgestreut werden, was ein zusätzlicher Kosten- und Zeitaufwand für den landwirtschaftlichen Betrieb bedeutet, wenn dies nicht automatisiert funktioniert

Einstreu kann sich zwar positiv auf Tierwohl und -gesundheit auswirken, verschlechtert allerdings auch durch erhöhte Partikelemissionen (Staub) die Raumluftqualität. Dies wiederrum ist für den Landwirt problematisch, der Schutzvorrichtungen gegen Stäube im Stall tragen müsste. Realistisch betrachtet, passiert dies in der Praxis nur unzureichend, was die erhöhte Anzahl der Atemwegserkrankungen bei in der Landwirtschaft Beschäftigten zeigt. Allgemein hat sich in der Bewertung gezeigt, dass Einstreu wenig Einfluss auf die Emissionen von Ammoniak und Methan hat, aber in Tiefstreuställen (Schweinehaltung) zu erhöhten Lachgasemissionen führen kann.

Für einen ganzheitlichen positiven Einfluss in der Nutztierhaltung ist das Einstreumanagement entscheidend, was in vielen Fällen mechanisierte Einstreuvorrichtungen voraussetzt. Um die Qualität des Einstreumaterials zu garantieren, ist zudem die Lagerung unter Dach notwendig, was platztechnisch nicht auf jedem Hof umsetzbar ist, ohne neue Lagerhallen zu bauen. Die Investition in mechanisierte Einstreueinrichtungen und Lagerhallen muss sich für den Betrieb langfristig rechnen. Daher wurde in der Diskussion deutlich, dass Einstreu nicht per se als gut oder schlecht zu beurteilen ist, sondern erstmal nur als eine Zusatzoption in Teilen von Ställen gesehen werden kann.

In der gesellschaftlichen Debatte wird die Haltung von Nutztieren auf Stroh positiv bewertet. Gesellschaftlich akzeptiert bedeutet aber im Umkehrschluss nicht gleich nachhaltig. Der Verbraucher muss sehen, wie Tiere in der modernen Landwirtschaft gehalten werden. Dazu gehört auch, den Mix aus eingestreuten Bereichen und nichteingestreuten sowie der Haltung mit Einstreu als Beschäftigungsmaterial für den Konsumenten zugänglich und erlebbar zu machen.

Der Thementisch hat gezeigt, dass für die Beurteilung von Einstreu für die nachhaltige Nutztierhaltung eine Gesamtbetrachtung auf Betriebsebene notwendig ist.


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